Der Moorgeist vom Roten See

Auf dem Höhenzug des Kyffhäusergebirges war einst ein großes schwarzes Moor. Ein Teil davon wird bis in die heutige Zeit der Rote See genannt. Um ihn ranken sich düstere Geschichten... Vielleicht sind die Auslöser die ruhelosen Seelen der Todgeweihten, die früher in dieses Moor getrieben wurden? Alte erzählen, dass der Ursprung allen Übels ein böser Moorgeist ist, der in der Dämmerung Wanderer, Reiter und ganze Kutschen mit einem Licht in ihr Verderben lockt… So verschwand vor vielen Jahren sogar die Tochter eines Schwarzburger Grafen, die dem Sohn des Stolberger Grafen versprochen war. Noch in Bad Frankenhausen wurde das Gefährt gesehen, als Zofe und Fuhrknecht Bedenken wegen der eintretenden Dämmerung anmeldeten und eine Herberge suchen wollten. Die Jungfer jedoch verspottete die Beiden und befahl dem Kutscher die Pferde anzutreiben. Tatsächlich kamen die Tiere auf dem Berg vom Weg ab und verirrten sich. Die Freude des Kutschers war groß, als er in der Ferne jemanden mit einem Licht winken sah. Er hielt darauf zu und schreckte auf, als das gesamte Gefährt in den Boden einsackte. Sogleich erlosch das Licht und es war finstere Nacht. Nur der Moorgeist vom Roten See beobachtete mit einem teuflischen Grinsen, wie das Gefährt mitsamt seinen Insassen vom Moor verschlungen wurde. Auch heute noch ist es in der Nacht auf der Fahrt über den Kyffhäuser gefährlich, wenn man die sichere Straße verlässt. So mancher Fahrer behauptet, ein kleines Licht im dunklen Wald gesehen zu haben…